Thèses de doctorat en cours

Anja Küttel: Effektivität und Charakteristik der Aktivierung von Selbstwirksamkeitserleben im Gestaltungsunterricht der Sekundarstufe 1
Directrice de thèse: Prof. Christine Pauli
Université: Fribourg

Autonomie als Bildungsziel – eigenständiges Lernen – Bereitschaft zu lebenslangem Lernen – Problemlösefähigkeit als notwendige Kompetenz – diese Schlagworte fallen seit den ersten Ergebnissen der PISA Studien immer wieder in Bildungsstudien (OECD, 2005). Die Bedeutung der sogenannten überfachlichen Kompetenzen ist für die moderne Bildung erwiesen und findet sich aus diesem Grund in den aktuellen Lehrplänen der Schweiz ausdrücklich als Bildungsziel erwähnt. (Lehrplan 21 überfachliche Kompetenzen, PER capacités transversales).
In diesem Kontext scheint das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (Bandura 1997) eine interessante Rolle zu spielen.
In einem modernen Gestaltungsunterricht als prozeduralem Unterricht in echten Kreativprozessen können genau die für das Aktivieren von Selbstwirksamkeitserleben notwendigen Faktoren integriert werden: Arbeit in authentischen Problemsituationen und individuelle, echte Problemlösung mit einem sichtbaren, greifbaren Ergebnis – in der Regel einem (Design-)Objekt. Ein kreativer Prozess verlangt Selbststeuerung, um zu einem Ziel zu gelangen (Ciskzentmihalyi 1997/Sternberg 2006) und durch die Natur des entstehenden Designobjektes kann soziales Wissen erworben und somit Erfolgsreferenzen auf individuelle und differenzierte Art herausgebildet und erlebt werden (Mareis 2011 / Nohl 2011). Also liegt die Vermutung nahe, dass Gestaltungsunterricht mit echten, individuellen Designprozessen ein hohes Potenzial hat, die Indikatoren für Selbstwirksamkeit gezielt erlebbar zu machen.
Wie effektiv und auf welche Art genau also kann ein prozeduraler Gestaltungsunterricht Selbstwirksamkeitserleben fördern? Was geschieht im Gestaltungsunterricht, dass die Aktivierung von Selbstwirksamkeitserleben hier offensichtlich auf eine besondere Art stattfindet?
In einer videobasierten Fallstudie mit zwei Klassen der Sekundarstufe 1 wurden per experience sampling die Erlebensqualitäten der Schüler/innen von wahrnehmbaren Elementen von Selbstwirksamkeitserleben in zwei verschiedenen Gestaltungsprojekten erfasst. Ausserdem wurden diese in Beziehung zu Angaben vorhandener Selbstkonzepte der Schüler/innen hinsichtlich des Gestaltungsunterrichts gesetzt.
In zwei Phasen einer qualitativen Auswertung nach Mayring (2003) und Bohnsack (2014) werden zum einen die Erlebensqualitäten der wahrnehmbaren Elemente von Selbstwirksamkeit im beobachteten Gestaltungsunterricht nach relevanten Handlungssituationen beschrieben.
Zum anderen wird mittels einer dokumentarischen Analyse von in den Klassen vorkommenden Schülertypen versucht, zu beschreiben, in wie fern ein bestimmtes Selbstkonzept für den gestalterischen Bereich die Erlebensqualität von Selbstwirksamkeit beeinflussen kann.
Hierbei stellen sich vor allem die Qualität des jeweiligen Motivationserlebens (Deci und Ryan 1993, Buff/Reusser/Pauli 2010), der individuellen Erfolgsreferenz (Pekrun et al 2009, 2018) und des jeweils empfunden Selbststeuerungserlebens (Deci und Ryan 1993, Krapp 1999) der eigenen Handlungen als ausschlaggebend für die Qualität des Selbstwirksamkeitserlebens in bestimmten Gestaltungshandlungen heraus.
Ausserdem zeigt sich, dass bestimmte gestalterischen Handlungen, wie beispielsweise eine reine ästhetische Erfahrung von Material, das Selbstwirksamkeitserleben verschiedener Schülertypen bezüglich Motivations- oder Erfolgserleben auf sehr unterschiedliche Art aktivieren kann.
Das Ziel der Studie ist es, einen ersten Ansatz der Beschreibung von gestaltungstypischen Unterrichtsmustern, die Einfluss auf das Selbstwirksamkeitserleben haben, bieten zu können.