Thèses et mémoires en cours

Patrick Keller, «Wirksamkeit eines systematischen Methodentrainings zur Förderung von Textkohärenz als Teilaspekt literaler Kompetenz im Schreibunterricht auf der gymnasialen Oberstufe»
Mémoire de MA en didactique de l'allemand langue de scolarisation, PHZH/UZH
Direction: Prof. Dr. Maik Philipp (PHZH), Prof. Dr. Kirsten Schindler (Universität Köln/D)
Période: 2018-2020 (dépôt prévu)

Angesichts wachsender Kritik an der Sprachkompetenz von Studienanfängern an schweizerischen Universitäten und der damit einhergehenden Forderung nach der Sicherung sog. basaler fachlicher Studierkompetenzen stehen die Gymnasien vor der Frage, mit welchen konkreten Maßnahmen nachhaltige Schreibkompetenzförderung wirksam erfolgen kann.
m Rahmen meiner als Vergleichsstudie angelegten Masterarbeit erprobe ich an einer Gymnasialklasse im Kanton Bern ein selbst entwickeltes, didaktisiertes Methodentraining, das zum Ziel hat, in Schreibanlässen mit multiplen Texten die Textqualität im Bereich der intertextuellen Kohärenzbildung zu verbessern. Dabei durchläuft eine Hälfte der Klasse als Interventionsgruppe ein mehrwöchiges Training im Hinblick auf das Verfassen einer Textsynthese; die Kontrollgruppe führt den Schreibanlass ohne spezifisches Training durch. Die Wirksamkeit des Methodentrainings wird anhand der Textprodukte überprüft, indem mithilfe qualitativer und quantitativer Methoden die Fähigkeit zu expliziter, semantisch adäquater sowie sprachlich elaborierter Kohärenzbildung gemessen wird.

Adriano Montefusco, Erzählen und Episteme 
Thèse de doctorat en langue et littérature allemande, Université de Fribourg 
Direction: Prof. Dr. Eckart Conrad Lutz, co-tutelle: Prof. Dr. Gerd Dicke, Eichstätt (Allemagne)
Période: 2016-2020

Erzählen ist eine grundlegende kognitive Fähigkeit des Menschen. Ihr liegt das Vermögen zugrunde, faktuale oder fiktionale Ereignisse in eine Ordnungsstruktur zu überführen, dabei deren Aufnahme und Verarbeitung durch spätere Rezipienten vorauszusehen und die intendierte Erkenntnis im Text anzulegen (Putzo 2015). Die Studie untersucht anhand des mittelhochdeutschen, höfischen Tristanromans von Gottfried von Strassburg aus dem deutschen Hochmittelalter den Zusammenhang von Erzählstrategie und impliziter Poetologie. Kennzeichnend für den Untersuchungsgegenstand ist die vom Autor einzigartig im Text angelegte Strategie einer analysierend-synthetisierenden Erzählform, die im Dissertationsprojekt auf den Begriff des ‘diagrammatischen Erzählens’ gebracht wird. Mittels dieser Erzählstrategie wird der Lesevorgang zu einem analytischen Beobachtungs- und Reflexionsprozess, der in einem Akt der mentalen Synthese im Bewusstsein des Lesers ein Bild der Personen (Gegenstände oder Verhältnisse) entstehen lässt, das sich nicht nur der Beschreibungskomponenten des Erzählers verdankt, sondern mehr noch deren kunstvollem Arrangement, also der Kunst eines Erzählens, das den Leser selbst zu einem Kompositionsprozess anregt, dessen Erfolg ganz wesentlich auf seinem eigenem Vorstellungsvermögen beruht und dieses gezielt schult. In diesem diagrammatisch orientierten Zeichenprozess kommt es zu Schlussfolgerungen, die als Modi der Welterzeugung greifbar werden. Die Untersuchung dieser narrativen Strategie soll einen Beitrag zur Erforschung des weiten Feldes erkenntnisleitender Strukturen in literarischen Texten leisten, ausgehend von einem Zeitpunkt der deutschen Literaturgeschichte, wo diese erzählerischen Verfahren erstmals in der Volkssprache greifbar werden und in ihrer Neuartigkeit markiert hervortreten. 
Aus dem Projekt gehen auch relevante Erkenntnisse für das literarische Lernen hervor. Die von Kaspar Spinner definierten 11 Aspekte des literarischen Lernens lassen sich auf Basis der Peircschen Zeichentheorie und Nelson Goodmans Theorem der Weisen der Welterzeugung weiter profilieren. Es kann gezeigt werden, wie über das Medium der (fiktionalen) Literatur Schlussfolgerungsprozesse etabliert werden, die unter idealen Rezeptionsbedingungen als ästhetische Epistemologie zur persönlichen Lebenserfahrungskompetenz beitragen. An das Projekt anschliessen lässt sich die Frage, unter welchen Bedingungen diagrammatische und quasidiagrammatische Erzählstrukturen in Kinder- und Jugendliteratur für überfachliches Lernen nutzbar gemacht werden können.